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Respekt vor Buddha bedeutet Respekt vor dir selbst

von | Jun 28, 2022 | Einleitung zum Buddhismus, Praxis

Niederwerfung was ist das? 

„Du machst 108 Niederwerfungen, und das jeden Tag?“ 

Meine Freundin schaute mich entgeistert an. „Du weißt, ich interessiere mich schon seit Längerem für den Sozialen Buddhismus und die dazugehörige Praxis. Ich kenne euer Mantra, wir meditieren inzwischen  manchmal gemeinsam und auch ein paar Ki Song Übungen hast du mir schon gezeigt. Aber davon hast du mir noch nie etwas erzählt! Warum eigentlich? Ist das ein Geheimnis?“   

Ich musste lachen. “Nein, das ist natürlich kein Geheimnis. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele, denen ich von dieser Art der Praxis erzählt habe, damit wenig anfangen konnten. „Vielleicht auch deshalb“, fügte ich hinzuweil wir in der westlichen Welt nichts Vergleichbares haben, an dem wir den Hintergrund festmachen können.“

Verena legte mir ihre Hand auf die Schulter, sah mich lächelnd an  „Wir haben in den letzten Jahren so viel über den Sinn des Lebens, unsere Aufgaben und Bestimmungen philosophiert und sind schlussendlich immer wieder beim Buddhismus gelandet. Und weißt du, ich sehe  wie gut dir das tut, wie schön sich dein Leben in den letzten Jahren verändert hat. Ich möchte  jetzt endlich herausfinden, ob mir diese ganze Praxis auf meinem Weg zu einem erfüllteren Leben auch helfen kann“. 

„Und jetzt sag endlich, wie geht so eine „Niederwerfung? Tut das weh? Sind 108x nicht unglaublich anstrengend? Wie lange brauchst du dafür?“

„Das sind ganz schön viele Fragen auf einmal. Also – die täglichen großen Verbeugungen, oder eben auch Niederwerfungen genannt,  tun natürlich nicht weh, sonst würde das ja keiner gerne machen. Im Gegenteil, sie sind sogar sehr gesund. Man stärkt seine Muskeln, dehnt die Faszien und der ganze Organismus  wird aktiviert. Ich habe in der Früh oft einen verspannten Rücken und  manchmal auch Knieschmerzen. Nach spätestens 20 Niederwerfungen lockert sich alles  zusehends und ich starte schmerzfrei in den Tag.“

„Das heißt das ist wie  eine Art gesunde Turnübung?“ 

„Wenn man den spirituellen Hintergrund weglässt, sind das entspannende und energetisierende Übungen. Dein Herz-Kreislauf-System wird gestärkt und du bringst  Körper und Geist in Balance.“ 

Das Interessante daran ist, dass ich beobachtet habe, dass sogar gut trainierte Sportler, wenn sie beginnen Niederwerfungen zu machen, am Anfang einen Muskelkater bekommen, da hier Bereiche aktiviert werden, die wir offensichtlich sonst wenig benutzen. 

Und um deine Frage zu beantworten – ja für mich war es früher schon anstrengend. Solange dein Körper diesen Bewegungsablauf noch nicht integriert hat. Ich habe mir die ersten Jahre wirklich sehr schwer getan täglich 108 davon zu machen. Oft habe ich ewig gebraucht, weil ich so viele Pausen eingelegt habe, jetzt brauche ich etwa eine ¼ Stunde. “

„Und was ist der spirituelle Hintergrund“? fragte Verena.

„Wenn wir uns niederwerfen erweisen wir Buddha  Respekt. Es hilft  uns, unser Ego zu reduzieren, eine demütige Geisteshaltung einzunehmen und  unser Körperkarma abzubauen.“ 

„Da wir alle Buddha-Natur haben, bedeutet das, dass ich  mich dann mehr oder weniger auch  vor mir selbst verbeuge?“ fragte sie. 

Ich war erstaunt, dass meine Freundin diesen Schluss daraus zog und entgegnete. „Ja genau. Respekt vor Buddha, ist auch Respekt vor dir selbst“.

„Das ist sehr schön, damit kann ich etwas anfangen, aber kannst du mir jetzt bitte einmal zeigen, wie so eine Niederwerfung funktioniert?“

Ich stand auf, faltete meine Hände zu Hapchang und ging  mit geradem Rücken hinunter in die Knie, setzte mich auf meine Fersen, beugte den Oberkörper Richtung Boden, berührte diesen mit der Stirn und stand wieder auf. 

„Ah das sieht ja gar nicht so schwierig aus“ meinte Verena.  Sie faltete ihre Hände und  machte 5 Niederwerfungen. „Das ist aber wirklich sehr anstrengend“  sagte sie verschmitzt „ich glaube ich brauche noch viel Übung um mein Ego zu reduzieren. 108 ist schon sehr viel.“

Ich musste unwillkürlich grinsen. Wenn sie wüsste, dass wir  bei Retreats oft viele Sätze Niederwerfungen machten… aber das war eine andere Geschichte.

Ich sagte: „Also wenn es dich näher interessiert, kannst du noch viel mehr spannende Details über die Hintergründe erfahren. Ja Young, die Äbtin unserer Wiener Sangha, die Ärztin und Osteophatin ist, hat gerade einen Blog über die Auswirkungen der Niederwerfungen  auch aus medizinischer Sicht geschrieben. Und erfährst  was Körperkarma ist, die Zahl 108 bedeutet  uvm.“ 

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